QJMOTOR SRK 421 RR vs. KOVE 450 RR
- Markus Brömmler
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit

Vier Zylinder, zwei Charaktere – und ein verdammt guter Grund, wieder Motorrad zu fahren
Es gibt Motorräder, bei denen man nach fünf Kilometern weiß, was Sache ist. Und dann gibt es Motorräder, bei denen man nach fünf Kilometern grinst und nach fünfzig ernsthaft darüber nachdenkt, warum man eigentlich jemals mehr als 450 Kubik gebraucht hat.
Willkommen beim Duell der neuen Supersportler: QJMOTOR SRK 421 RR gegen KOVE 450 RR. Zweimal China. Zweimal Reihenvierzylinder. Zweimal Drehzahl statt Hubraum. Und doch könnten die beiden Charaktere kaum unterschiedlicher sein.
Der erste Angriff: QJMOTOR SRK 421 RR
Starter drücken. Der 421-Kubik-Vierzylinder erwacht. Ein kurzer Gasstoß – und sofort ist klar: Dieses Motorrad will Drehzahl. 77,5 PS bei unglaublichen 14.000 Touren treffen auf 39 Nm bei 13.000 U/min. Unter 7.000 passiert genug, um entspannt durch die Stadt zu rollen. Aber dafür wurde dieser Motor nicht gebaut. Die Musik spielt weiter oben.
8.000. 10.000. 12.000.
Jetzt wird aus dem freundlichen Mittelklasse-Sportler eine kleine Kreissäge. Der Vierzylinder schreit durch die Gänge, die Landschaft beginnt schneller zu werden und plötzlich steht die Nadel dort, wo bei vielen Motorrädern längst der Begrenzer eingesetzt hätte.
14.000 U/min.

Genau darin liegt der Reiz der QJMOTOR. Man muss sie fahren. Arbeiten. Schalten. Den Motor bei Laune halten. Und dafür belohnt sie ihren Fahrer mit einem Erlebnis, das im Zeitalter immer größerer Zweizylinder beinahe exotisch geworden ist.
Dazu kommt ein Paket, das sich sehen lassen kann: einstellbares Fahrwerk, Brembo-Doppelscheibenbremse mit 300-mm-Scheiben, Traktionskontrolle, ABS und TFT-Display. Fahrbereit bringt die QJMOTOR 185 Kilogramm auf die Waage. Auf der Landstraße bedeutet das: stabil, erwachsen, satt. Die SRK vermittelt Vertrauen. Sie fällt nicht nervös in die Kurve, sondern lässt sich präzise hineinbremsen, hält sauber die Linie und vermittelt auch bei höherem Tempo Ruhe. Und dann ist da dieser Motor. Kurve. Zweiter Gang. Gas. Der Vierzylinder holt tief Luft und marschiert mit zunehmender Drehzahl immer entschlossener vorwärts.
Die QJMOTOR fühlt sich dabei nicht wie ein Spielzeug an. Sie wirkt wie ein kleiner echter Supersportler.
Dann kommt die KOVE.
Und plötzlich wirken 20 Kilogramm wie eine Welt. Die 450 RR bringt fahrbereit lediglich 165 Kilogramm auf die Waage – satte 20 Kilogramm weniger als ihre Konkurrentin. Ihr 443-Kubik-Reihenvierzylinder leistet in der deutschen Version 49 kW beziehungsweise 66,6 PS bei 13.250 U/min und liefert 38 Nm Drehmoment.

Auf dem Papier hat die QJMOTOR damit die stärkeren Muskeln. Auf der Straße schlägt die Stunde der KOVE jedoch spätestens an der ersten engen Kurvenkombination.
Links.
Rechts.
Noch einmal links.
Die 450 RR wechselt die Richtung mit einer Leichtigkeit, die süchtig macht. Wo man die QJMOTOR bewusst dirigiert, scheint die KOVE den Gedanken ihres Fahrers vorauszuahnen.
Das geringe Gewicht ist überall spürbar: beim Einlenken, beim Umlegen, beim Anbremsen und besonders beim Herausbeschleunigen aus engen Radien. Dazu kommt ein voll einstellbares KYB-Fahrwerk mit 41-mm-USD-Gabel. Die Geometrie mit 1.385 Millimetern Radstand ist kompakt, die Sitzhöhe mit 785 Millimetern angenehm zugänglich. Quickshifter, RAM-Air-System, TFT-Display sowie IMU-unterstütztes ABS und TCS unterstreichen ihren sportlichen Anspruch.
Die KOVE will nicht einfach schnell gefahren werden.
Sie will attackieren.
Spät bremsen. Runterschalten. Einlenken. Knie raus. Scheitelpunkt treffen. Motorrad aufrichten. Vollgas.
Und wieder.
Und wieder.
Genau hier beginnt man zu verstehen, warum Leistung allein wenig über ein Sportmotorrad aussagt. Die KOVE hat nominell weniger PS, aber jedes ihrer Pferdchen muss weniger Masse bewegen.
Auf einer engen, kurvigen Landstraße ist das eine explosive Mischung.
Zwei Motorräder – zwei Philosophien
Nach einigen schnellen Kilometern kristallisiert sich ein erstaunlich klares Bild heraus. Die QJMOTOR SRK 421 RR ist der emotionale Motor-Star dieses Duells.

Ihr 421er Vierzylinder ist mit seinen 77,5 PS und der Leistungsspitze bei 14.000 U/min ein kleines mechanisches Feuerwerk. Wer dieses klassische Supersportgefühl liebt – Drehzahl aufbauen, Gang ausquetschen, hochschalten und den Motor wieder losschreien lassen – findet hier genau das, was moderne Motorräder zunehmend vermissen lassen. Dazu bietet die QJMOTOR ein erwachsenes Fahrgefühl und hochwertige Brembo-Hardware. Sie ist der stärkere, souveränere und auf schnellen Passagen gelassener wirkende Sportler.
Die KOVE 450 RR hingegen ist das Skalpell.
165 Kilogramm.
Kurzer Radstand.
Voll einstellbares KYB-Fahrwerk.
Quickshifter.
RAM-Air.
Und ein ebenfalls hochdrehender Vierzylinder.
Die KOVE lebt nicht ausschließlich von ihrem Motor. Sie lebt von ihrem gesamten Paket. Sie möchte Geschwindigkeit nicht mit Gewalt erzeugen, sondern durch möglichst wenig Masse, messerscharfes Handling und maximale Kurvengeschwindigkeit. Je enger die Strecke wird, desto größer wird ihr Grinsen.
Und wer gewinnt?
Das hängt davon ab, wonach man süchtig werden möchte. Wer nachts noch einmal in die Garage geht, nur um beim Gedanken an 14.000 Touren und 77,5 PS aus 421 Kubik zu grinsen, sollte sich die QJMOTOR sehr genau ansehen.

Die SRK 421 RR ist ein faszinierendes Comeback jener kleinen Vierzylinder-Supersportler, von denen wir viel zu lange viel zu wenige hatten. Sie kombiniert Leistung, Ausstattung und Alltagstauglichkeit mit einem Motor, der gefahren werden will.
Wer dagegen eine kurvige Straße betrachtet und darin keine Straße, sondern eine Ansammlung von Scheitelpunkten sieht, dürfte sich auf der KOVE zu Hause fühlen.
Die 450 RR ist kompromisslos leicht, unmittelbar und gierig auf Richtungswechsel. Ihre 165 Kilogramm verändern den Charakter des gesamten Motorrads. Weniger Masse bedeutet später bremsen, schneller umlegen und früher wieder ans Gas. Am Ende gibt es deshalb keinen Verlierer.
Es gibt zwei Gewinner für zwei unterschiedliche Typen von Adrenalinjunkies.
QJMOTOR gewinnt das Duell der Motoren.
KOVE gewinnt das Duell mit der Waage.
Und auf einer schnellen Landstraße?
Da entscheidet vermutlich nicht das Datenblatt.
Da entscheidet derjenige, der beim nächsten Bremspunkt als Letzter den Mut verliert.
Und genau deshalb möchten wir nach diesem Vergleich eigentlich nur eines wissen:
Wo ist der Schlüssel für die nächste Runde?



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