10 Jahre Modena40: CFMOTOs Zukunft entsteht auch in Italien

CFMOTOs europäisches Entwicklungszentrum in Rimini feiert sein zehnjähriges Bestehen. Hinter 800NK, 750SR-S und dem V4-Superbike-Projekt steckt deutlich mehr europäisches Know-how, als viele Käufer vermuten.
Wer bei CFMOTO zuerst an Hangzhou denkt, liegt natürlich richtig - aber eben nur zur Hälfte. Ein wichtiger Teil der heutigen Designsprache der chinesischen Marke entsteht seit zehn Jahren an der italienischen Adriaküste. Das Entwicklungszentrum Modena40 in Rimini feiert 2026 sein zehnjähriges Bestehen. Für CFMOTO ist das weit mehr als ein rundes Jubiläum: Die kleine europäische Einheit hat sich zu einem der wichtigsten Bausteine für Design, Technik und Markenidentität entwickelt.
Gegründet wurde Modena40 2016 von Carles Solsona. Der spanische Designer brachte Erfahrungen von europäischen Motorradmarken und Designstudios mit und übernahm anschließend eine zentrale Rolle bei CFMOTO. Heute verantwortet das Team in Rimini nach aktueller Berichterstattung nicht nur die Formgebung, sondern arbeitet eng mit der technischen Entwicklung in China zusammen. Solsona selbst steuert die Zweirad-Designarbeit auf europäischer Seite und ist zugleich in die Arbeit des Designzentrums in Hangzhou eingebunden.

Dass diese Arbeit längst sichtbar ist, zeigen Modelle wie die 800NK. Sie war 2024 die erste großvolumige chinesische Verbrenner-Maschine, die einen Red Dot Award in der Kategorie Product Design gewann. CFMOTO selbst bezeichnete den Erfolg damals als Meilenstein für eine neue, global gedachte Designsprache. Der 800NK folgte 2026 die 750SR-S mit einem weiteren Red-Dot-Erfolg. Beide Projekte werden eng mit Modena40 verbunden - und beide zeigen, dass die Marke nicht mehr nur über Ausstattung und Preis wahrgenommen werden will.
Noch wichtiger ist aber, was derzeit entsteht. Das V4-Superbike-Projekt SR-RR ist das technisch ambitionierteste Vorhaben in der bisherigen Geschichte von CFMOTO. Der Hersteller hat im Juni 2026 mit einem Prototypen 315,82 km/h erreicht. Der 997 cm³ große 90-Grad-V4 leistet laut CFMOTO mehr als 157 kW beziehungsweise über 210 PS, dreht bis 15.000/min und nutzt einen gegenläufigen Kurbeltrieb. Hinzu kommen aktive aerodynamische Flügel, die ihre Stellung abhängig von Geschwindigkeit und Fahrsituation verändern. Modena40 spielt bei diesem Projekt vor allem im Design und bei der aerodynamischen Integration eine zentrale Rolle. Aktuelle Berichte vom Jubiläum nennen Windkanalarbeit bei Pininfarina in Italien und beschreiben das V4-Projekt als aufwendigstes Programm der ersten zehn Jahre. Gerade hier zeigt sich, warum CFMOTO den europäischen Standort braucht: Ein Hypersportler mit über 300 km/h Höchstgeschwindigkeit muss nicht nur stark sein. Er muss bei Aerodynamik, Ergonomie, Markenwirkung und Detailqualität gegen Ducati, BMW, Aprilia oder Kawasaki bestehen.

Spannend ist auch der Entwicklungsprozess. Modena40 nutzt Concept Bikes auf der EICMA nicht nur als Showobjekte, sondern als Werkzeug, um künftige Formen und Technologien auszuprobieren. Häufig folgt rund ein Jahr später ein Serienmodell, das viele Elemente der Studie übernimmt. Dadurch entsteht eine klare Verbindung zwischen Messeauftritt, Designexperiment und späterem Produkt. Für Kunden wirkt CFMOTO damit zunehmend weniger wie ein Hersteller, der vorhandene Konzepte nur günstiger anbietet, sondern wie eine Marke mit eigener gestalterischer Handschrift.
Auch die Marktdaten geben dieser Strategie Rückenwind. Laut aktueller Berichterstattung war die 450MT in Italien von Januar bis August 2026 bereits das fünftmeistverkaufte Motorrad. Italien ist einer der emotionalsten und zugleich anspruchsvollsten Motorradmärkte Europas. Wenn eine junge chinesische Marke dort mit einer Reiseenduro in die Spitzengruppe der Zulassungsstatistik fährt, ist das ein Signal. Design allein verkauft kein Motorrad, aber es entscheidet mit darüber, ob ein Produkt überhaupt als begehrenswert wahrgenommen wird.
Der Unterschied zu den frühen Jahren ist deutlich. CFMOTO trat lange vor allem als preislich attraktive Alternative auf. Heute investiert der Konzern massiv in Entwicklung, Motorsport und eigene Technologien. Nach Unternehmensangaben flossen 2025 rund 1,22 Milliarden Yuan in Forschung und Entwicklung; Ende 2025 verfügte CFMOTO über mehr als 2.100 gültige Patente. Gleichzeitig wächst die Modellpalette von 125ern über die 450er- und 675er-Baureihen bis hin zur 1000MT-X und zum V4-Superbike.
Für deutsche Kunden ist das relevant, weil sich damit auch die Frage nach der langfristigen Markenperspektive verändert. Wer ein Motorrad kauft, kauft nicht nur technische Daten. Er entscheidet sich auch für Design, Händlernetz, Ersatzteilversorgung, Software, Restwert und die Wahrscheinlichkeit, dass eine Marke in fünf oder zehn Jahren noch konsequent weiterentwickelt wird. Ein zehn Jahre bestehendes europäisches Entwicklungszentrum ist dafür kein Garant - aber ein starkes Indiz für langfristige Planung.

CFMOTO muss nicht mehr ausschließlich über Preis-Leistung verkauft werden. Die Geschichte hinter den Motorrädern wird interessanter: europäische Gestaltung in Rimini, Entwicklung in Hangzhou, Motorsport mit Aspar, Windkanalarbeit in Italien und inzwischen eigene Hochleistungsmotoren. Genau aus dieser Mischung entsteht eine globale Marke.
Unser Fazit: Modena40 ist einer der Gründe, warum CFMOTO heute anders aussieht und anders wahrgenommen wird als noch vor wenigen Jahren. Das Jubiläum zeigt, dass die Marke ihre europäische Entwicklung nicht als kurzfristiges Marketingprojekt betreibt, sondern seit einem Jahrzehnt systematisch ausbaut. Mit der 800NK und 750SR-S kamen Designpreise, mit der 450MT Markterfolg - und mit der V4 SR-RR steht das bisher ambitionierteste Projekt noch vor uns.



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