Von A2 auf A: So funktioniert der Aufstieg zum offenen Motorradführerschein
- Markus Brömmler
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Für viele Motorradfahrer ist der A2-Führerschein nur eine Zwischenstation. Nach den ersten Jahren Fahrpraxis wächst häufig der Wunsch nach mehr Leistung, größeren Motorrädern und einer noch größeren Modellauswahl. Genau dafür gibt es den Aufstieg von der Führerscheinklasse A2 auf die Klasse A. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann vergleichsweise unkompliziert den offenen Motorradführerschein erwerben und anschließend Motorräder jeder Leistung und jeden Hubraums fahren.
Doch welche Bedingungen müssen erfüllt sein? Wie läuft die Prüfung ab? Und lohnt es sich, bereits beim Kauf des ersten Motorrads den späteren Aufstieg einzuplanen? Dieser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist der Unterschied zwischen A2 und A?
Mit dem A2-Führerschein dürfen Motorräder bis 35 kW (48 PS) und einem maximalen Leistungsgewicht von 0,2 kW pro Kilogramm gefahren werden. Viele moderne Motorräder werden speziell für diese Klasse angeboten oder können entsprechend gedrosselt werden.
Der A-Führerschein hebt diese Beschränkungen vollständig auf. Nach erfolgreichem Aufstieg dürfen Motorräder unabhängig von Hubraum oder Leistung gefahren werden – vom klassischen Cruiser über leistungsstarke Sportmotorräder bis hin zu großen Reiseenduros mit weit über 100 PS.
Wann ist der Aufstieg möglich?
Der vereinfachte Aufstieg ist möglich, wenn der Fahrer:
mindestens zwei Jahre im Besitz des A2-Führerscheins ist,
die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und
die praktische Aufstiegsprüfung erfolgreich besteht.
Eine erneute theoretische Prüfung ist in diesem Fall nicht erforderlich. Dadurch ist der Wechsel deutlich einfacher als der erstmalige Erwerb eines Motorradführerscheins.
Wer den offenen Motorradführerschein ohne vorherigen A2-Erwerb machen möchte, kann diesen – abhängig vom Alter und den gesetzlichen Regelungen – auch direkt erwerben. Für viele Fahrer ist der klassische Weg über A2 jedoch die sinnvollste und kostengünstigste Lösung.
Wie läuft die praktische Prüfung ab?
Vor der Prüfung empfehlen Fahrschulen meist einige Übungsstunden auf einem offenen Motorrad. Dabei geht es weniger um das Erlernen neuer Grundtechniken als vielmehr um den sicheren Umgang mit einem leistungsstärkeren Fahrzeug.
In der praktischen Prüfung werden unter anderem bewertet:
Fahrzeugbeherrschung
Bremsübungen
Ausweichmanöver
Kurvenfahren
Blickführung
vorausschauendes Fahren
sicheres Verhalten im Straßenverkehr
Wer bereits zwei Jahre regelmäßig Motorrad gefahren ist, bringt meist viel Erfahrung mit und empfindet die Aufstiegsprüfung deutlich entspannter als die ursprüngliche Führerscheinprüfung.
Welche Motorräder darf man anschließend fahren?
Nach Erhalt der Klasse A steht praktisch die gesamte Motorradwelt offen.
Dazu gehören beispielsweise:
leistungsstarke Naked Bikes
große Reiseenduros
Supersportler
Sporttourer
Cruiser und Chopper
Adventure Bikes
Touring-Motorräder
klassische Retro-Bikes
Auch Motorräder mit deutlich über 100 PS oder großem Hubraum dürfen nun ohne Einschränkungen gefahren werden.
Lohnt sich ein bereits gedrosseltes Motorrad?
Viele Motorradfahrer entscheiden sich bereits während der A2-Zeit für ein Motorrad, das ursprünglich mehr Leistung besitzt und für die Führerscheinklasse A2 auf 35 kW gedrosselt wurde.
Das bietet mehrere Vorteile:
keine Umgewöhnung auf ein neues Motorrad
bekannte Sitzposition und Fahrverhalten
geringere Anschaffungskosten als ein kompletter Fahrzeugwechsel
nach dem Aufstieg häufig einfache Rückrüstung auf die Originalleistung
Wichtig ist dabei, dass das Motorrad im ungedrosselten Zustand nicht mehr als 70 kW (95 PS) leisten darf. Nur dann ist eine Zulassung für die A2-Klasse zulässig.
Sollte man nach dem Aufstieg sofort mehr Leistung fahren?
Mehr Leistung bedeutet nicht automatisch mehr Fahrspaß. Moderne Motorräder beschleunigen heute deutlich stärker als viele Fahrer erwarten. Deshalb empfiehlt es sich, sich langsam an die neue Leistung zu gewöhnen.
Hilfreich sind:
erste Fahrten auf bekannten Strecken
defensive Fahrweise
regelmäßige Fahrsicherheitstrainings
bewusstes Üben von Brems- und Ausweichmanövern
schrittweise Gewöhnung an Beschleunigung und Fahrdynamik
Gerade Fahrer, die mehrere Jahre ausschließlich mit 35 kW unterwegs waren, profitieren von einer ruhigen Eingewöhnungsphase.
Die passende Schutzausrüstung bleibt unverzichtbar
Auch nach dem Führerscheinaufstieg bleibt hochwertige Schutzkleidung einer der wichtigsten Sicherheitsfaktoren.
Zur vollständigen Ausrüstung gehören:
Motorradhelm mit aktueller ECE-Zulassung
Motorradjacke mit Protektoren
Motorradhose
Motorradhandschuhe
Motorradstiefel
Rückenprotektor oder Airbag-Weste
Mit zunehmender Leistung steigen auch Geschwindigkeit und Fahrdynamik. Deshalb sollte die Schutzausrüstung regelmäßig überprüft und bei Bedarf erneuert werden.
Tipps für den Motorradkauf nach dem Aufstieg
Viele Fahrer möchten sich nach dem offenen Führerschein ihren langjährigen Traum erfüllen. Trotzdem sollte die Entscheidung nicht ausschließlich von der Motorleistung abhängen.
Wichtige Kriterien sind:
Sitzhöhe und Ergonomie
Gewicht des Motorrads
Fahrwerk und Bremsanlage
Einsatzzweck (Alltag, Touren oder Sport)
Unterhaltskosten
Versicherung
Wartungsaufwand
Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Werkstattservice
Eine ausführliche Beratung und eine Probefahrt helfen dabei, das passende Motorrad für die eigenen Ansprüche zu finden.
Fazit
Der Aufstieg von A2 auf A ist der nächste logische Schritt für alle Motorradfahrer, die ihre Leidenschaft weiter ausbauen möchten. Nach zwei Jahren Fahrpraxis genügt eine praktische Prüfung, um die Beschränkungen der A2-Klasse hinter sich zu lassen und Motorräder jeder Leistung fahren zu dürfen. Wer den Wechsel gut vorbereitet, sich an die höhere Motorleistung gewöhnt und weiterhin auf hochwertige Schutzausrüstung setzt, schafft die besten Voraussetzungen für viele sichere und unvergessliche Touren. Der offene Motorradführerschein eröffnet nicht nur eine deutlich größere Fahrzeugauswahl, sondern auch völlig neue Möglichkeiten für Reisen, sportliches Fahren und grenzenlose Freiheit auf zwei Rädern.



Kommentare