ABS, Kurven-ABS und CBS: Was Motorradfahrer wirklich wissen sollten
- Markus Brömmler
- 8. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Moderne Bremstechnik ist eines der wichtigsten Sicherheitsthemen beim Motorradkauf. Gerade Einsteiger schauen oft zuerst auf Leistung, Optik oder Sound – dabei entscheiden Bremsen, Reifen und Assistenzsysteme im Ernstfall über Stabilität und Kontrolle. ABS, Kurven-ABS und CBS klingen ähnlich, leisten aber Unterschiedliches. Wer eine 125er, ein A2-Motorrad oder ein größeres Bike kaufen möchte, sollte die Unterschiede kennen.

Was macht ABS beim Motorrad?
ABS steht für Antiblockiersystem. Es soll verhindern, dass ein Rad beim Bremsen blockiert. Blockiert besonders das Vorderrad, verliert das Motorrad sehr schnell Stabilität. Das ABS erkennt über Raddrehzahlsensoren, wenn ein Rad zum Blockieren neigt, und regelt den Bremsdruck. Dadurch bleibt das Motorrad in vielen Situationen besser kontrollierbar.
Wichtig ist: ABS macht Bremsen nicht automatisch perfekt. Es ersetzt keine saubere Blickführung, keine guten Reifen und keine Übung. Aber es kann besonders bei Schreckbremsungen, nasser Fahrbahn, Rollsplitt oder kalten Reifen eine entscheidende Sicherheitsreserve sein.
ABS ist nicht gleich Kurven-ABS
Klassisches ABS arbeitet vor allem für Bremsungen bei gerader oder nahezu gerader Fahrt. Kurven-ABS geht weiter. Systeme wie Motorcycle Stability Control kombinieren ABS mit zusätzlichen Sensoren, die Beschleunigung, Drehraten und Schräglage erfassen. Bosch beschreibt, dass dabei Raddrehzahlsensoren und eine 6D-Inertialmesseinheit genutzt werden, um Bremsregelung auch abhängig von Schräg- und Nickwinkel anzupassen.
Das ist wichtig, weil Bremsen in Schräglage besonders anspruchsvoll ist. Wer in einer Kurve plötzlich zu stark bremst, kann das Motorrad aufrichten, die Linie verlieren oder Grip überfordern. Kurven-ABS kann die Bremskraft feiner dosieren und die Stabilität verbessern. Es ist aber kein Freifahrtschein für zu hohe Geschwindigkeit. Physik, Reifenhaftung und Fahrbahnzustand bleiben immer die Grenze.
Was ist CBS bei 125ern?
CBS bedeutet Combined Braking System, also kombiniertes Bremssystem. Dabei wird beim Betätigen einer Bremse ein Teil der Bremskraft auch auf das andere Rad verteilt. Gerade bei 125ern und Rollern kann CBS Anfängern helfen, weil viele Einsteiger anfangs zu stark nur hinten oder nur vorne bremsen.
In der EU müssen neue Motorräder über 125 cm³ mit ABS ausgestattet sein; bei kleineren Leichtkrafträdern ist je nach Fahrzeugklasse ein ABS oder kombiniertes Bremssystem vorgesehen. Für Käufer heißt das: Eine 125er mit CBS ist nicht automatisch schlecht, aber ABS bietet beim Blockieren des Rades den größeren technischen Eingriff. Wer zwischen CBS und ABS wählen kann, sollte besonders als Fahranfänger ABS ernsthaft bevorzugen.
Bremsweg: Technik hilft, Übung entscheidet
Viele glauben, ABS verkürzt immer den Bremsweg. So einfach ist es nicht. Auf griffigem Asphalt kann ein sehr geübter Fahrer ohne ABS theoretisch extrem stark bremsen. In der Realität bremsen viele Fahrer in Gefahrensituationen aber zu zaghaft oder zu hektisch. Genau dort hilft ABS, weil es Blockieren verhindern und mehr Vertrauen beim Bremsen geben kann.
Der beste Bremsweg entsteht aus Technik und Training: guter Reifen, richtiger Luftdruck, klare Sitzposition, dosierter Druck am Bremshebel und regelmäßige Bremsübungen. Wer sein Motorrad kennt, bremst ruhiger und stärker.
Nässe, Kälte und schlechte Fahrbahn
Bei Regen, Laub, Kanaldeckeln, Bitumenstreifen, Fahrbahnmarkierungen oder Rollsplitt ist weniger Grip vorhanden. Dann steigt das Risiko, dass ein Rad beim Bremsen blockiert. ABS und Kurven-ABS sind hier besonders wertvoll. Trotzdem gilt: Bei Nässe früher bremsen, größere Abstände halten, weniger Schräglage fahren und sanfter beschleunigen. Technik kann helfen, aber sie kann fehlende Haftung nicht herbeizaubern.
Warum Bremstechnik für Einsteiger so wichtig ist
Fahranfänger haben noch wenig Routine in echten Gefahrensituationen. In der Fahrschule wird Bremsen geübt, aber der Straßenverkehr ist unberechenbarer: Autos ziehen heraus, Kurven machen zu, Straßen sind verschmutzt oder ein Hindernis taucht plötzlich auf. ABS, Kurven-ABS und CBS können dann helfen, Fehler abzumildern. Besonders bei A1-, B196- und A2-Fahrern sollte moderne Bremstechnik deshalb ein wichtiges Kaufkriterium sein.
Worauf beim Motorradkauf achten?
Beim Kauf solltest du nicht nur fragen, ob das Motorrad ABS hat. Prüfe auch, ob es vorn und hinten wirkt, ob Kurven-ABS vorhanden ist, wie die Bremsen dosierbar sind und wie alt die Reifen sind. Bei gebrauchten Motorrädern sind Bremsbeläge, Bremsscheiben, Bremsflüssigkeit, Reifenalter und Wartungshistorie entscheidend. Eine gute Bremsanlage fühlt sich klar, berechenbar und vertrauenerweckend an.
Fazit: Gute Bremsen sind wichtiger als mehr Leistung
ABS, Kurven-ABS und CBS machen Motorräder sicherer und leichter beherrschbar, besonders für Einsteiger. CBS verteilt Bremskraft, ABS verhindert Blockieren, Kurven-ABS berücksichtigt zusätzlich die Fahrsituation in Schräglage. Wer ein Motorrad kaufen möchte, sollte Bremstechnik genauso wichtig nehmen wie Motorleistung, Sitzhöhe und Optik. Denn Fahrspaß beginnt dort, wo man dem Motorrad wirklich vertraut.



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