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ZXMOTO V5: Ambition trifftReglement

Autorenbild: Markus Brömmler
Markus Brömmler
vor 3 Tagen
3 Min. Lesezeit

ZXMOTO hat mit der Ankündigung eines Fünfzylinder-V-Motors für Aufsehen gesorgt. Seit dem 20. September ist jedoch ein Punkt stärker in den Fokus gerückt, der für die Einordnung des Projekts entscheidend ist: Die aktuell geltenden Regeln der Superbike-Weltmeisterschaft sehen einen Fünfzylinder überhaupt nicht vor. Damit bekommt die bislang vor allem von Leistungsdaten und exotischer Technik geprägte Diskussion eine zweite Ebene - und genau die ist für die Zukunft des Projekts mindestens so spannend wie die Frage nach PS und Höchstgeschwindigkeit.


ZXMOTO-Werbung: Superbikes neben V5-Motor im Rennstrecken-Setting bei Sonnenuntergang, Text: V5 für die nächste Generation.

Weniger bestätigt, als manche Schlagzeile vermuten lässt

Gesichert ist bislang weniger, als manche Schlagzeilen vermuten lassen. ZXMOTO-Gründer Zhang Xue hat öffentlich von einem V5 mit ungefähr 1.000 Kubikzentimetern gesprochen und 2028 als Zieljahr genannt. Alles Weitere bleibt vorerst unscharf. In verschiedenen Medien kursieren Werte von gut 210 bis 253 PS, teilweise ist sogar von Aufladung und möglichen Modellnamen wie 1000 RR oder 1000 RR-R die Rede. Offiziell bestätigt sind weder diese Leistungsdaten noch ein Kompressor noch eine konkrete Serienbezeichnung. Auch ein möglicher Auftritt des Motors auf der EICMA 2026 wird berichtet, ist vom Hersteller bislang aber nicht bestätigt.


Das Problem liegt im Reglement

Der neue Punkt betrifft das Reglement. Die technischen Vorschriften der WorldSBK definieren für die Superbike-Klasse derzeit nur drei Motorenkategorien: Zweizylinder mit mehr als 850 bis 1.200 cm³ sowie Drei- und Vierzylinder mit mehr als 750 bis 1.000 cm³. Ein Fünfzylinder taucht in dieser Systematik nicht auf. Das ist kein kleines Detail, sondern eine Grundvoraussetzung. Ein Hersteller kann nicht einfach einen zusätzlichen Zylinder mitbringen und darauf hoffen, dass die Balance-of-Performance den Rest regelt. Für eine Homologation müsste die technische Basis der Klasse angepasst werden.


Hinzu kommt: Auch die im Juli beschlossene WorldSBK-Roadmap bis 2030 enthält aktuell keinen Hinweis darauf, dass Fünfzylinder in die Superbike-Klasse aufgenommen werden sollen. Für 2027 sind unter anderem herstellerspezifische Drehzahllimits, eine Begrenzung des Kraftstoffdurchflusses, Einheitskraftstoff und strengere Geräuschvorgaben vorgesehen. 2028 soll ein neues Konzessionssystem greifen. 2030 steigt die Hubraumgrenze für Vierzylinder auf 1.200 cm³. Ein zusätzlicher Zylindertyp ist in diesem Fahrplan nicht erwähnt.


Drei Wege, wie ZXMOTO das lösen könnte

Damit ergeben sich für ZXMOTO drei realistische Szenarien. Erstens könnte der Hersteller tatsächlich auf eine spätere Regeländerung hinarbeiten. Das wäre nicht unmöglich, denn technische Reglements verändern sich, wenn neue Konzepte und Herstellerinteressen auf den Tisch kommen. Zweitens könnte der V5 zunächst in einer anderen Rennserie eingesetzt werden, während die WorldSBK-Ambition auf einem anderen Motor basiert. Drittens könnte der Fünfzylinder vor allem als Technologie- und Markenprojekt dienen, aus dem später ein Straßensportler entsteht - unabhängig davon, ob er 2028 bereits in einer Weltmeisterschaft starten darf.


Warum man ZXMOTO trotzdem ernst nehmen muss

Warum ist das trotzdem mehr als nur ein Gedankenspiel? ZXMOTO hat in sehr kurzer Zeit bewiesen, dass Motorsport für die Marke keine reine Messekulisse ist. Die 820RR erhielt für 2026 die FIM-Homologation für die WorldSSP-Klasse, und die Marke fuhr in ihrer ersten Saison bereits international viel beachtete Ergebnisse ein. Ein V5 würde deshalb logisch in die Strategie passen, Entwicklung, Rennsport und Serienprodukte eng miteinander zu verknüpfen. Gerade deshalb lohnt es sich, die technischen und regulatorischen Hürden nüchtern zu betrachten.


Ein straßenzugelassener V5 wäre echtes Neuland

Für europäische Kunden ist vor allem die mögliche Serienperspektive interessant. Ein straßenzugelassener V5 wäre im Motorradbau eine echte Besonderheit. Historisch gab es zwar Rennmaschinen mit fünf Zylindern - am bekanntesten ist Hondas RC211V aus der MotoGP-Ära -, ein modernes straßenzugelassenes Superbike mit V5 wäre aber praktisch Neuland. Gleichzeitig müsste ZXMOTO bei einem solchen Motorrad nicht nur Leistung liefern, sondern auch Abgasnormen, Geräuschvorschriften, Haltbarkeit, Wartung, Ersatzteilversorgung und eine belastbare Homologation in den Griff bekommen.


Deshalb ist der wichtigste Satz zum aktuellen Stand vielleicht dieser: Der V5 ist interessant, weil er noch nicht fertig erklärt ist. Die Grundidee wurde angekündigt. Die spektakulären Leistungswerte sind unbestätigt. Die EICMA-Präsentation ist möglich, aber nicht offiziell. Und die angepeilte WorldSBK-Perspektive passt unter den heute gültigen Regeln noch nicht zum Motorlayout.


Die nächsten Monate werden zum Prüfstein

Gerade das macht die kommenden Monate spannend. Sollte ZXMOTO den Motor tatsächlich im November in Mailand zeigen, werden sich erstmals belastbarere Aussagen zu Architektur, Aufladung, Leistung und Seriennähe treffen lassen. Und falls 2028 wirklich die Superbike-Weltmeisterschaft das Ziel sein soll, müsste spätestens vorher klar werden, ob das Reglement geändert wird oder ob der V5 einen anderen Weg in den Rennsport nimmt.


Für ZXMOTO ist das kein Rückschlag, sondern ein Prüfstein. Ein exotischer Motor erzeugt Aufmerksamkeit. Ein homologierbares, haltbares und im Wettbewerb einsetzbares Motorrad würde daraus Glaubwürdigkeit machen. Genau an diesem Übergang entscheidet sich, ob aus dem V5 eine spektakuläre Idee oder tatsächlich die nächste große technische Visitenkarte der jungen Marke wird.


Verwendete Quellen

1. Neue Reglement-Analyse (20.09.2026)

2. WorldSBK Roadmap 2027-2030 (offiziell, 31.07.2026)

3. FIM WorldSBK Regulations 2026 (offizielles Regelwerk)

4. ZXMOTO 820RR WorldSSP-Homologation (offiziell, 18.02.2026)

5. ZXMOTO Doppelsieg Portimão (offiziell, 29.03.2026)

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