top of page

ZXMOTO wird Vizeweltmeister

vor 2 Stunden
4 Min. Lesezeit

Was für ein Einstand! ZXMOTO schreibt in der Supersport-Weltmeisterschaft Motorsportgeschichte. Bereits in der ersten WorldSSP-Saison der jungen Motorradmarke sichert sich Valentin Debise auf der ZXMOTO 820RR den Vizeweltmeister und holt sich den Titel. Beim Rennwochenende in Estoril setzt der Franzose mit einem Podiumsplatz und einem neuen Rennrundenrekord noch einen drauf.


Motorradfahrer auf Platz-53-Bike fährt durch Victory Lane, Fans applaudieren; Pirelli- und Garage-Schilder im Hintergrund.
Valentin Debise und das EASTROC ZXMOTO Evan Bros Factory Team haben bereits vor dem Saisonfinale den zweiten Platz der WorldSSP-Fahrerweltmeisterschaft gesichert.

Ein historischer Erfolg für ZXMOTO

Damit hatte zu Saisonbeginn wohl kaum jemand gerechnet. ZXMOTO, eine erst 2024 gegründete chinesische Motorradmarke, startet 2026 erstmals in der FIM Supersport World Championship – und fährt auf Anhieb an die Weltspitze. Mit dem erfahrenen französischen Rennfahrer Valentin Debise und dem italienischen Evan Bros Racing Team gelingt ein bemerkenswerter Einstand. Nach elf von zwölf Rennwochenenden steht Debise bereits als Vizeweltmeister fest. Seine 291 WM-Punkte reichen aus, um den zweiten Platz der Fahrerwertung vor dem Saisonfinale im spanischen Jerez uneinholbar abzusichern.


Für einen Hersteller, der erst seit kurzer Zeit eigene Motorräder entwickelt und international vermarktet, ist dieses Ergebnis außergewöhnlich. Denn die WorldSSP zählt zu den anspruchsvollsten seriennahen Motorradrennserien der Welt. Hier treffen leistungsstarke Supersportmotorräder verschiedener Hersteller auf erfahrene Rennteams und international erfolgreiche Piloten. ZXMOTO hat sich in diesem Umfeld nicht nur behauptet, sondern bereits in der ersten Saison Rennen gewonnen und um Spitzenplätze gekämpft.


Estoril wird zum entscheidenden Wochenende

Die endgültige Entscheidung über den Vizetitel fiel am 11. Oktober 2026 auf dem Circuito Estoril in Portugal. Dabei verlief das Wochenende für Valentin Debise zunächst keineswegs nach Plan. Im Qualifying erreichte der Franzose lediglich Startplatz 17. Bemerkenswert war allerdings, wie eng die Leistungsdichte im Feld ausfiel: Trotz der vergleichsweise schlechten Startposition fehlten Debise nur 0,559 Sekunden auf die Poleposition. Im ersten Rennen kämpfte sich der ZXMOTO-Pilot auf den sechsten Platz nach vorne.


Sein Rückstand auf Rennsieger Tom Booth-Amos betrug lediglich 1,225 Sekunden. Schon dieses Ergebnis verdeutlichte, wie konkurrenzfähig die ZXMOTO 820RR auf einer anspruchsvollen Rennstrecke sein konnte. Am Sonntag wurde es dann noch einmal turbulent. Einsetzender Regen und schwierige Streckenbedingungen führten zu einem Rennabbruch. Nach dem Neustart entwickelte sich ein kurzer, intensiver Sprint, in dem Debise seine Erfahrung ausspielen konnte. Am Ende überquerte er die Ziellinie als Dritter – nur 1,310 Sekunden hinter Rennsieger Jeremy Alcoba auf Kawasaki. Damit war der zweite Platz in der Weltmeisterschaft endgültig gesichert.


Neuer Rundenrekord mit der ZXMOTO 820RR

Fast noch beeindruckender als der Podiumsplatz war eine weitere Leistung des Franzosen. Valentin Debise fuhr in Estoril die schnellste Rennrunde und stellte mit einer Zeit von 1:39,093 Minuten einen neuen Rennrundenrekord auf. Ein solcher Rekord besitzt eine besondere Aussagekraft. Während ein einzelnes Rennergebnis auch von Wetterbedingungen, Reifenstrategie oder Zwischenfällen beeinflusst werden kann, zeigt eine schnellste Rennrunde unmittelbar das erreichbare Tempo von Fahrer und Motorrad unter den jeweiligen Rennbedingungen. Die ZXMOTO 820RR war damit auf dieser Strecke in der Lage, eine neue Bestmarke zu setzen. Für die Ingenieure des jungen Herstellers ist das eine wichtige Bestätigung ihrer Entwicklungsarbeit. Natürlich bedeutet eine Rekordrunde nicht automatisch, dass ein Motorrad in jeder Disziplin überlegen ist. Sie zeigt jedoch, dass das technische Potenzial der Plattform für absolute Spitzenzeiten ausreicht.


Rennmotorrad in Rot-Blau mit Sponsorenlogos und Startnummer 53 auf weißem Hintergrund
Im Mittelpunkt des Erfolgs steht die ZXMOTO 820RR beziehungsweise ihre für die WorldSSP entwickelte Rennversion 820RR-RS.

Die 820RR: Dreizylinder mit Rennsportambitionen

Das Motorrad gehört zu einer neuen Generation sportlicher Dreizylinder-Maschinen, mit denen ZXMOTO international auf sich aufmerksam machen möchte. Die Wahl eines Dreizylindermotors ist interessant. Dieses Motorkonzept verbindet konstruktive Eigenschaften, die sowohl für sportliche Straßenmotorräder als auch für den Rennsport attraktiv sein können. Dazu zählen eine kompakte Bauweise, eine charakteristische Leistungsentfaltung und die Möglichkeit, ein vergleichsweise breites nutzbares Drehzahlband mit hoher Spitzenleistung zu kombinieren.


Entscheidend für den Erfolg im Rennsport ist jedoch das Gesamtpaket. Motor, Getriebe, Elektronik, Fahrwerk, Aerodynamik und Reifen müssen präzise zusammenarbeiten. Gerade bei der Entwicklung eines neuen Rennmotorrads kann es mehrere Saisons dauern, bis dieses Zusammenspiel zuverlässig funktioniert. Dass ZXMOTO bereits im ersten Jahr konkurrenzfähig ist, spricht für die technische Entwicklungsarbeit und die professionelle Umsetzung durch das Rennteam. Dabei sollte die WorldSSP-Rennmaschine nicht mit einer serienmäßigen 820RR gleichgesetzt werden. Rennreglement, erlaubte Modifikationen und die individuelle Abstimmung unterscheiden das Wettbewerbsfahrzeug deutlich vom Straßenmotorrad.


Portimão war der erste große Durchbruch

Der Vizetitel von Estoril ist keineswegs das Ergebnis eines einzelnen gelungenen Rennwochenendes. Bereits früh in der Saison gelang ZXMOTO ein historischer Erfolg. Beim zweiten Saisonlauf in Portimão gewann Valentin Debise beide WorldSSP-Rennen. Es waren die ersten Siege eines chinesischen Herstellers in der Supersport-Weltmeisterschaft. Besonders beeindruckend war der erste Rennerfolg, den Debise mit einem Vorsprung von 3,538 Sekunden einfuhr. Damit zeigte die 820RR schon zu einem frühen Zeitpunkt, dass sie nicht nur unter außergewöhnlichen Umständen gewinnen konnte, sondern über die notwendige Performance verfügte, um ein Rennen aus eigener Kraft zu dominieren. Die anschließenden Ergebnisse bestätigten diese Leistung. Aus einem vielversprechenden Neueinsteiger entwickelte sich innerhalb weniger Monate ein ernstzunehmender Titelkandidat.


Evan Bros: Erfahrung trifft auf neue Technik

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg hat die Zusammenarbeit mit dem italienischen Evan Bros Racing Team. Die Mannschaft verfügt über langjährige Erfahrung im internationalen Supersport-Rennsport und kennt die besonderen Anforderungen dieser Meisterschaft. Für einen neuen Hersteller ist ein solches Team ein erheblicher Vorteil. Denn selbst ein leistungsfähiges Motorrad kann sein Potenzial nur dann ausschöpfen, wenn die technische Abstimmung, Datenanalyse und Rennstrategie auf höchstem Niveau funktionieren. Das EASTROC ZXMOTO Evan Bros Factory Team verbindet deshalb zwei wichtige Faktoren: die Entwicklungsambitionen eines jungen Herstellers und die Erfahrung einer etablierten Rennorganisation. Neben Valentin Debise gehört auch der erfahrene Italiener Federico Caricasulo.

Kommentare


bottom of page